Arbeiten
| RahmenprogrammDem "Rahmenprogramm" zugrunde liegen echte Webrahmen einer stillgelegten Weberei. Eine schlesische Familie hatte nach ihrer Vertreibung eine kleine Spinnerei und Weberei in lippisch ländlichem Gebiet aufgebaut. Die Wolle selbst stammte von eigenen Schafen. Immer wieder fühlte sich Koppenbrink dort hin gezogen. Sie kannte Mutter, Großmutter und Tochter. Als die Großmutter nach der Mutter starb, ging der Geist des Hauses verloren. Wirtschaftlich war der Familienbetrieb wohl nie gewesen, die Tochter verkaufte bald darauf. Bevor die Reste verbrannt wurden, durften sich Bekannte nehmen, was sie wollten. Koppenbrink bekam die Gelegenheit, eines Tages ganz allein in den Räumen zu sein. Sie nahm einige Fotos mit, die am Boden lagen und Wolle. Am Ort schon setzte die Inspiration ein. Einige Webrahmen standen gebündelt in der Ecke, wie zum Auszug bereit. Andere hielten die Stellung rund um die Nabe des monströs metallenen Webstuhlvehikels, dem wahren Phantom einer neuen Zeit, das die alte Frau jedem Besucher immer von vorne vorführte. Koppenbrink nahm die Rahmen mit, ohne zu wissen, was sie mit ihnen tun wollte. Sie kämpfte um sie, brachte sie zuhause von vorn nach hinten und umgekehrt, weil weder hier noch da Platz oder Toleranz für sie war. Ursprünglich existierten an die 200 Stück von ihnen. Als sie sich endlich eingebürgert hatten, fingen sie ihrerseits an, Fundstücke um sich zu sammeln, Details, die Koppenbrink zum Geschichtenerzählen herausfordern Geschichten, deren Sprache man erst nach und versteht. Ohne Umstände kommen sie daher, lassen sich nicht zu Kompromissen oder kleinen Gefälligkeiten verpflichten, die Geschichten vom Gegen-Satz, von der Entdeckung fast unberührbarer Schönheit im Entlarvt- Sein. Koppenbrink entrümpelt soziale Scheinverhältnisse und weigert sich, auf künstlerischem Wege neue Trophäen vor sich her zu tragen. Das "Rahmenprogramm" ist also eher eine Unruhe, als eine stille Dekoration zur Darstellung höherer Ordnungen. |

